Handelsblatt: Das Erfolgsgeheimnis der Reichen: Drei Karrieretipps von Selfmade-Millionären

Selfmade-Millionäre haben sich ihren Reichtum über Jahre hart erarbeitet. Einblicke in eine verschlossene Welt, von der auch ganz normale Angestellte lernen können.

Wenn jemand weiß, wie Selfmade-Millionäre ticken, dann ist es Tom Corley. Drei Jahre lang hat der US-Autor aus der Nähe von New York Hunderte reiche und arme Menschen interviewt, um festzustellen, was sie voneinander unterscheidet.

Dabei fiel Corley auf: Die Reichen eint deutlich mehr als nur ihr hoher Kontostand. „Fast alle Selfmade-Millionäre in meiner Befragung waren realistische Optimisten“, sagt der Berater dem Handelsblatt. „Ihr ungezügelter Optimismus wurde angeheizt durch ihren Tatendrang, auf ein bestimmtes Ziel hinzuarbeiten und dabei realistische Erwartungen zu bewahren.“

Als reich gilt nach Corleys Definition, wer jährlich mehr als 160.000 US-Dollar (umgerechnet etwa 150.000 Euro) verdient und zusätzlich gut drei Millionen Dollar auf der hohen Kante hat. Als arm bezeichnete er Leute mit weniger als 35.000 US-Dollar (etwa 33.000 Euro) Jahreseinkommen und weniger als 5.000 Dollar Erspartem.

Insgesamt befragte Corley 177 Selfmade-Millionäre. Knapp zehn Jahre ist das inzwischen her. Mit einigen ist er in Kontakt geblieben. Was ihm auffiel: Auch Krisen wie Corona oder der Krieg in der Ukraine haben wenig am Mindset der Reichen verändert.

Was können ganz normale Angestellte von dieser Lebenseinstellung lernen? Das Handelsblatt hat bei drei Selfmade-Millionären nachgefragt.

Florian Koschat: Nicht zu viel prassen – und die ersten Jahre voll reinbuttern

Florian Koschat ist Investmentbanker und Gründer der Finanzfirma Pallas Capital. Das österreichische Unternehmen bietet Mezzaninkapital für Projektentwickler und Nachfolgelösungen für den Mittelstand an. Sein eigenes Vermögen gibt Koschat im „deutlichen zweistelligen Millionenbereich“ an. Seine erste Million hatte der 47-Jährige mit 25 auf dem Konto.

„Um etwas zu bewegen, brauchst du einfach Cash, das habe ich früh erkannt“, sagt Koschat. Viele Menschen seien aber „nicht unbedingt mit dem Geld befreundet“. Ein Fehler, meint der Multimillionär. Seine These: „Finanzielle Gesundheit ist wie körperliche Gesundheit.“ Vorsorge sei dabei erfolgsentscheidend – und eine realistische Übersicht:

Wie sicher ist mein Job?
Mit wie viel Einnahmen im Monat kann ich wirklich rechnen?
Was davon kann ich zurücklegen und etwa in Aktien oder einen Sparplan investieren?

„Da ist Eigenverantwortung gefragt“, sagt Koschat. Wer nicht genügend Geld habe, um sich seine Lebensträume zu erfüllen, könne etwa über Nebenjobs nachdenken, die sich neben dem aktuellen Job erledigen lassen, und sich so langsam Vermögen aufbauen.

Das klappt nur, wenn man weiß, wofür man all das Geld verdienen möchte. Wie für viele erfolgreiche Unternehmer ist auch für Koschat das Finden der eigenen Leidenschaft die wichtigste Grundvoraussetzung für Erfolg. „Und dann musst du die ersten zehn Jahre voll reinbuttern. Viel Arbeit, wenig Urlaub, wenig Freizeit – ich habe leider noch keinen anderen Weg gefunden.“

Was nicht heißt, dass man sich nicht auch zwischendurch etwas gönnen darf. „Ich mag schöne Dinge“, sagt Koschat. Doch auch Konsum betreibt Koschat strategisch: „Meine Rolex etwa sehe ich auch als Wertanlage. Weil sie limitiert ist, steigt sie im Wert.”

Lea-Sophie Cramer: Seinen Purpose finden – und dadurch selbstsicher werden

Über ihren Kontostand spricht Lea-Sophie Kramer äußerst ungern. Fakt ist aber: Spätestens seit dem Verkauf des von ihr mitgegründeten Erotik-Shops Amorelie ist Cramer eine der reichsten Frauen der deutschen Start-up-Szene.

Über sich selbst sagt die bekannte Unternehmerin, dass sie sich nicht zu denen zähle, die sich ständig selbst hinterfragen oder lange über vergangene Fehler ärgern: „Ich war schon immer klar und sicher in dem, was ich tue.“ Das ist eine Attitüde, die laut Cramer unglaublich wichtig ist für den eigenen Erfolg – „ganz einfach, weil sie den Menschen in deinem Umfeld ein ruhiges Gefühl gibt“.

Cramer weiß: „Wenn du wirklich erfolgreich sein willst, muss du schauen, in welchen Bereichen du besser bist als andere. Und du musst dich fragen: Was davon, was ich so gern mache, braucht die Welt? Wenn diese beiden Dinge zusammenkommen, fühlt sich Arbeit nicht wie Arbeit an, sondern wie Zeit, die man für seine eigene Weiterentwicklung nutzt. Das ist ein Riesenhebel zum Erfolg.“

Auch Cramer hat beispielsweise nach der Gründung von Amorelie oft gedacht: Darf man überhaupt so arbeiten? Darf sich das so unbeschwert anfühlen? „Ich dachte: Das ist doch nicht die echte Arbeitswelt. Bis ich festgestellt habe: Es gibt noch genügend Momente, in denen es hart wird. Umso wichtiger ist es, dass es sich vor allem am Anfang leicht, natürlich und gut anfühlt, was man macht.“

Gerade die Coronakrise habe vielen Leuten verdeutlicht, was sie in ihrem Leben noch erreichen wollen und was dabei stört: „Das Thema Purpose war früher nur was für Exoten, spätestens seit der Pandemie ist es Mainstream geworden.“

Frank Thelen: Von nichts beirren lassen – und einen klaren Plan haben

„Krisen hat es schon immer gegeben“, sagt Frank Thelen, Starinvestor und bekannt aus der Gründer-TV-Serie „Die Höhle der Löwen“. Gerade bei erfolgreichen Jungunternehmern beobachte er aber in schwierigen Zeiten „eine gewisse Realitätsverzerrung“, die ihnen helfe durchzuhalten. „Das macht ihre Erfolgs-DNA aus“, sagt Thelen. „Sie können Negatives ausblenden.“

Das bedeute nicht, dass erfolgreiche Menschen emotionslos seien und Krisen einfach an sich abperlen ließen. Aber: „Sie verfallen nicht in Panik“, erklärt Thelen. In der Psychologie gibt es einen Fachbegriff für das, was Thelen beschreibt: Resilienz. Der Begriff ist entlehnt aus der Werkstoffphysik und beschreibt, wie widerstandsfähig ein Material ist – oder eben eine Person.

Auch er selbst habe sich früher „viel zu sehr treiben lassen von dem, was jetzt ist“, sagt Thelen. Was dem berühmten Investor hilft, den Blick nach vorne zu richten, ist die Langfristperspektive.

Spätestens seit der Finanzkrise plant der 46-Jährige deshalb in Zeithorizonten von vier bis fünf Jahren. „Klar, kurzfristig können sich die Dinge ändern“, sagt Thelen. Das zeige die aktuelle Weltlage sehr deutlich. „Langfristig sind die meisten Dinge jedoch ziemlich stabil.“

Er wolle dort erfolgreich investieren, wo die Zukunft gemacht werde, sagt Thelen. Um sich abzusichern, checkt er deshalb seine Investments mit Naturwissenschaftlern wie Biologen, Chemikern und Physikern gegen. Sie helfen ihm zu verstehen, ob er wirklich am Puls der Zeit ist.

Davon könnten auch ganz normale Angestellte lernen, sagt Thelen. Die sollten sich fragen: Gibt es eine Technologie, die ich für sehr zukunftsträchtig halte? Und: Welche meiner Eigenschaften könnte ich in diesem Feld gut einsetzen?

Das könne auch dazu führen, dass man erst einmal für ein kleineres Gehalt in einem Bereich neu anfängt und sich wieder etablieren muss. Doch so sähen Karrieren in einer postpandemischen Welt nun einmal immer häufiger aus.

Quelle-Link:
handelsblatt.com/karriere/selfmade-millionaere-frank-thelen-lea-sophie-cramer-florian-koschat-und-ihre-persoenlichen-erfolgsgeheimnisse/28325164.html